Fleisch oder lieber kein Fleisch in den Wechseljahren? Warum ich seit acht Jahren darauf verzichte
Ich esse seit acht Jahren keines mehr. Was das für Protein, Eisen, Muskeln und Entzündungen bedeutet – und warum ich mich damit bis heute gut fühle.
Es ist jetzt acht Jahre her. Damals gab es wieder einen dieser großen Skandale rund um Tönnies und die Fleischindustrie und ich war einfach nur angeekelt. Igitt. Was läuft denn da eigentlich mit unserem Fleisch? Und Leute, ich habe damals Fleisch geliebt. Meine Steaks waren quasi roh und nur warm, weil sie einmal kurz die Pfanne gesehen hatten. Also nix mit: „Ich habe sowieso nie besonders gern Fleisch gegessen.“ Ich war ein echter Carnivore. Zur gleichen Zeit hatte ich ständig Schmerzen in meiner rechten Schulter. Und mit Schmerzen meine ich nicht: „Och, da zieht’s ein bisschen.“ Nach hinten greifen ging teilweise überhaupt nicht, bei bestimmten Bewegungen schoss mir ein Schmerz ins Gelenk und mir fiel gefühlt alles aus der Hand. Ich sollte dehnen und das Gelenk wieder beweglicher machen. Ja, witzig, Doc – schon mal versucht zu dehnen, wenn es sich dabei anfühlt, als würde dir jemand einen Stromschlag durchs Gelenk jagen? Alter, das geht nicht.
Also bekam ich immer mal wieder eine Spritze. Dann war eine kurze Zeit lang Ruhe und irgendwann ging es wieder los. Eine Freundin schickte mich schließlich zu einem Bekannten von ihr: „Annika, der macht dir einen Sonderpreis.“ Klar, Privatleistungen. Aber Sonderpreis klingt ja erst mal super – und wenn danach endlich die Schmerzen weg sind: ran da. Ich also hin: Stoßwelle, Akupunktur, Physiotherapie. Die Physio übernahm zum Glück die Kasse, und für den Rest bekam ich tatsächlich den absoluten Supersonderpreis von 750 Euro. Äh … wat?! 750 Euro? Bist du bescheuert, Alter? 😆 Aber gut. Wenn danach endlich Ruhe ist, mache ich das.
Und was soll ich euch sagen? Es hat gar nichts gebracht! Ich war dermaßen abgefuckt, Leute. Also fing ich selbst an zu lesen und wollte wissen, was ich noch verändern könnte. Dabei landete ich irgendwann bei Ernährung, Fasten und der Frage, welche Rolle Entzündungsprozesse spielen könnten. Ich beschloss, es auszuprobieren: zehn Tage Fasten – dazu gibt es einen eigenen Artikel – und Fleisch komplett weglassen.
Und dann passierte etwas, mit dem ich so nicht gerechnet hatte: Meine Schulterschmerzen wurden tatsächlich sehr viel besser. Ich konnte endlich anfangen zu dehnen, die Beweglichkeit wurde besser und dieser unfassbare Schmerz ließ nach. Das war ein richtiges Glücksgefühl. Aber – und das ist mir wichtig – ich kann natürlich nicht behaupten, dass der Fleischverzicht meine Schulter geheilt hat. Ich hatte gleichzeitig gefastet, meine Ernährung verändert und Schulterbeschwerden können sich ohnehin im Laufe der Zeit verändern. Ich weiß also nicht, welcher Faktor welchen Anteil hatte. Ich weiß nur: Mir ging es deutlich besser und ich dachte mir: Okay. Dann mache ich erst mal weiter.
Und ihr könnt euch nicht vorstellen, was plötzlich in meinem Umfeld los war. „Warum isst du denn kein Fleisch mehr? Du warst doch immer so eine gute Abnehmerin!“ – „Jetzt springst du auch auf diesen Trend auf.“ – „Blöde Vegetarier.“ – „Irgendwann wirst du noch so eine verrückte Veganerin.“ Als hätte ich verkündet, dass ich ab sofort ausschließlich von Sonnenlicht und Liebe lebe. 😆 Dabei hatte ich einfach beschlossen, kein Fleisch mehr zu essen. Zum Glück hat mein Mann mich dabei unterstützt, sonst hätte ich es wohl nicht durchgehalten!

Muss man in den Wechseljahren Fleisch essen?
Nein. Frauen müssen auch in den Wechseljahren kein Fleisch essen. Eine gut zusammengestellte vegetarische oder pescetarische Ernährung kann ausreichend Protein und wichtige Nährstoffe liefern. Entscheidend ist allerdings, Fleisch nicht einfach nur vom Teller zu nehmen, sondern die Ernährung sinnvoll zusammenzustellen.
Denn „kein Fleisch“ bedeutet nicht automatisch „gesund“. Wenn ich das Steak durch Pommes, Weißbrot und Fertigpizza ersetze, kann ich mir zwar stolz „fleischfrei“ auf die Fahne schreiben – ernährungsphysiologisch habe ich damit aber noch keinen Pokal gewonnen. Gerade ab 50 finde ich etwas anderes wesentlich wichtiger: Bekomme ich genügend Protein? Wie sieht es mit Eisen, Vitamin B12, Jod, Calcium, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren aus? Und tue ich genug dafür, meine Muskulatur zu erhalten?
Ich selbst bin übrigens keine Vegetarierin, sondern Pescetarierin. Ich esse Fisch, Eier und Milchprodukte, nur eben kein Fleisch. Damit habe ich einige ziemlich einfache Proteinquellen zur Verfügung: Fisch, Skyr und andere Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Tofu und bei Bedarf auch Proteinpulver. Gerade in den Wechseljahren ist Protein für mich inzwischen ein wesentlich größeres Thema geworden als früher, weil wir mit zunehmendem Alter Muskelmasse verlieren können.
👉 Dazu passt: Warum verliere ich in den Wechseljahren Muskeln?
👉 Und: Brauche ich wirklich ein Proteinpulver?
Kann Fleisch Entzündungen im Körper verursachen?
Die Aussage „Fleisch verursacht Entzündungen“ ist wissenschaftlich zu pauschal. Es kommt unter anderem darauf an, welche Art von Fleisch, wie viel davon und wie häufig gegessen wird – und vor allem darauf, wie die gesamte Ernährung aussieht. Besonders verarbeitetes Fleisch wie Wurstwaren wird gesundheitlich anders bewertet als eine kleine Menge unverarbeitetes Fleisch.
Gleichzeitig haben pflanzenbetonte Ernährungsweisen einen großen Vorteil: Sie enthalten typischerweise viele Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen. Damit bekommt der Körper Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Solche Ernährungsmuster werden mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht.
Das bedeutet für meine Schultergeschichte aber eben nicht: Ich habe Fleisch gegessen, davon bekam ich eine Entzündung, ich hörte mit Fleisch auf und deshalb verschwand sie. So einen Zusammenhang kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung nicht ableiten. Was ich sagen kann: Ich habe gefastet, Fleisch weggelassen und meine Ernährung verändert – und in dieser Zeit wurden meine Beschwerden deutlich besser, nein, ehrlich gesagt, extrem viel besser! Das war für mich Grund genug, weiterzumachen.
Hilft Fleischverzicht gegen Gelenkschmerzen?
Es gibt keine allgemeine Empfehlung, bei Gelenkschmerzen einfach Fleisch zu streichen. Eine insgesamt pflanzenbetonte Ernährung kann Bestandteil einer gesundheitsförderlichen Lebensweise sein, ersetzt aber keine medizinische Diagnose oder Behandlung von anhaltenden Gelenkbeschwerden.
Das hätte ich damals übrigens gern genauso gelesen. Denn wenn man Schmerzen hat, ist man verdammt empfänglich für einfache Lösungen: Lass dieses Lebensmittel weg, nimm jenes Pulver, mach diese Übung – und alles wird gut. Leider funktioniert unser Körper nicht so simpel. Gerade bei starken oder länger anhaltenden Schulterbeschwerden sollte deshalb geklärt werden, was dahintersteckt.
Und heute finde ich meine Schultergeschichte noch aus einem anderen Grund spannend: Schulterprobleme und insbesondere Frozen Shoulder werden auch im Zusammenhang mit der Lebensphase rund um die Menopause diskutiert. Das heißt nicht, dass jede schmerzende Schulter von den Wechseljahren kommt. Aber genau dazu machen wir noch einen eigenen Artikel.
Dann habe ich angefangen, mich mit Fleisch und Klima zu beschäftigen
Wie es immer so ist: Wenn man sich einmal mit einem Thema beschäftigt, lernt man Dinge, die man vorher eigentlich gar nicht wissen wollte. Ich habe damals „Cowspiracy“ geschaut und das war für mich ein weiterer Aha-Moment. Plötzlich ging es nicht mehr nur um meine Schulter oder darum, ob ich Fleisch essen möchte. Ich begann mich mit Tierhaltung, Futtermitteln, Flächenverbrauch, Treibhausgasen und Wasserverbrauch zu beschäftigen.
Einige Aussagen und Zuspitzungen solcher Dokumentationen muss man kritisch prüfen, deshalb würde ich „Cowspiracy“ auch nicht als wissenschaftliche Quelle für diesen Artikel verwenden. Die grundsätzliche Erkenntnis dahinter ist aber gut belegt: Was wir essen, beeinflusst Klima und Umwelt, und tierische Lebensmittel haben im Durchschnitt häufig einen größeren ökologischen Fußabdruck als pflanzliche Lebensmittel. Besonders deutlich ist der Unterschied bei Rindfleisch.
Das war für mich tatsächlich krass. Ich hatte mir vorher Gedanken darüber gemacht, beim Duschen nicht ewig das Wasser laufen zu lassen oder den Garten möglichst sinnvoll zu bewässern – und plötzlich stellte ich fest, dass auch meine Ernährung ein ziemlich großer persönlicher Hebel sein kann. Natürlich rette ich nicht allein den Planeten, weil ich kein Steak mehr esse. Aber meine Entscheidung macht einen Unterschied. Und ich fühle mich damit gut.
Ist weniger Fleisch wirklich besser fürs Klima?
Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung kann den ernährungsbedingten Klima- und Umweltfußabdruck reduzieren. Wie groß der Effekt ist, hängt davon ab, welche tierischen Lebensmittel gegessen beziehungsweise ersetzt werden und wodurch sie ersetzt werden. Vor allem Rindfleisch verursacht im Durchschnitt deutlich höhere Treibhausgasemissionen als viele pflanzliche Proteinquellen.
Und auch hier muss es für mich nicht sofort dieses Alles-oder-nichts-Ding sein. Wenn jemand siebenmal pro Woche Fleisch isst und künftig nur noch drei- oder viermal, ist das doch bereits eine Veränderung. Vielleicht wird die Portion kleiner. Vielleicht landen öfter Linsen, Bohnen oder Tofu auf dem Teller. Vielleicht wird Fleisch irgendwann eher etwas Besonderes als die automatische Grundlage jeder Mahlzeit. Warum sollte nur 100 Prozent zählen? So wie es eben früher bei unseren Urgroßeltern war, wenn der Braten am Wochenende der krönende Abschluss der Woche war, den man ohne Stress und mit viel Genuss in schöner Gesellschaft zelebriert hat.
Bekomme ich ohne Fleisch genug Protein?
Ja. Fleisch ist eine gute Proteinquelle, aber bei Weitem nicht die einzige. Auch Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse und Samen können zur Proteinversorgung beitragen. Bei einer rein veganen Ernährung muss die Lebensmittelauswahl allerdings besonders bewusst geplant werden.
Gerade für Frauen ab 50 finde ich diese Frage viel wichtiger als den Glaubenskrieg „Fleisch ja oder nein“. Wir brauchen Protein unter anderem für unsere Muskulatur, und genau die möchte ich jetzt möglichst lange behalten. Wer Fleisch streicht und anschließend hauptsächlich Nudeln mit Tomatensoße isst, hat deshalb nicht automatisch die ideale Wechseljahresernährung gefunden. Ich achte inzwischen bewusst darauf, dass meine Mahlzeiten eine Proteinquelle enthalten – und wenn das im Alltag nicht klappt, darf bei mir auch ein Proteinshake einspringen.
Was ist mit Eisen, wenn ich kein Fleisch esse?
Auch ohne Fleisch ist eine ausreichende Eisenversorgung möglich. Pflanzliches Eisen wird allerdings anders und meist weniger effizient aufgenommen als Hämeisen aus Fleisch. Vitamin C kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern. Gute pflanzliche Quellen sind beispielsweise Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen.
Für Frauen nach der Menopause verändert sich die Situation zusätzlich, weil mit dem Ende der Menstruation der regelmäßige Blutverlust entfällt und der Eisenbedarf dadurch niedriger ist als während der fruchtbaren Jahre. Trotzdem können natürlich Eisenmängel auftreten. Deshalb würde ich bei Müdigkeit oder anderen möglichen Mangelsymptomen nicht einfach auf Verdacht hoch dosiertes Eisen schlucken, sondern entsprechende Blutwerte ärztlich kontrollieren lassen.
Und Vitamin B12?
Wer sich vegan ernährt, muss Vitamin B12 zuverlässig supplementieren. Bei einer vegetarischen oder pescetarischen Ernährung hängt die Versorgung davon ab, welche tierischen Lebensmittel und in welchen Mengen gegessen werden. Da ich Fisch, Eier und Milchprodukte esse, ist meine Ernährung in diesem Punkt anders zu beurteilen als eine vegane.
Das ist übrigens generell meine Haltung zu Nahrungsergänzungsmitteln: Ich finde sie sinnvoll, wenn es einen Grund dafür gibt – aber nicht nach dem Motto „viel hilft viel“. Wenn ich wissen möchte, ob mir etwas fehlt, lasse ich es im Zweifel kontrollieren.
Ist vegetarische Ernährung in den Wechseljahren gesünder?
Eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen passt sehr gut zu den allgemeinen Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche Ernährung. Ob jemand dadurch tatsächlich gesünder lebt, hängt aber von der gesamten Lebensmittelauswahl und Lebensweise ab – nicht allein davon, ob Fleisch auf dem Teller liegt.
Und genau diese Antwort gefällt mir. Denn wir müssen daraus keinen Glaubenskrieg machen. Du kannst dich ausgewogen mit Fleisch ernähren. Du kannst dich ausgewogen ohne Fleisch ernähren. Und du kannst dich auf beiden Wegen ziemlich miserabel ernähren. 😆 Für mich persönlich funktioniert die pescetarische Variante sehr gut – und deshalb habe ich keinen Grund, wieder anzufangen.
Warum ich nach acht Jahren immer noch kein Fleisch esse
Natürlich habe ich damals kurz überlegt: Soll ich einfach wieder Fleisch essen und es wieder weglassen, wenn die Schmerzen zurückkommen? Aber irgendwann wollte ich gar nicht mehr. Je mehr ich über Ernährung, Tierhaltung und Umwelt gelernt habe, desto weniger fühlte sich Fleisch für mich noch wie etwas an, das ich unbedingt essen möchte. Gesundheit war der Auslöser, danach kamen Umwelt und Tiere dazu – und irgendwann war es einfach meine Entscheidung. Keine Challenge, kein Trend, keine Phase. Acht Jahre später esse ich immer noch kein Fleisch.
Und meine Familie? Die isst Fleisch. Ich kaufe es teilweise sogar und bereite es zu. Das überrascht manche Menschen offenbar, weil erwartet wird, dass man nach dem Fleischverzicht unmittelbar anfängt, anderen Leuten beim Schnitzelessen Vorträge zu halten. 😆 Will ich nicht. Ich habe nämlich gemerkt, dass Menschen erstaunlich schnell dichtmachen, wenn sie das Gefühl bekommen, jemand hält ihnen moralisch den Spiegel vor.
Wenn mich jemand ehrlich fragt, warum ich kein Fleisch esse, erzähle ich es. Wenn jemand es nicht wissen möchte, lasse ich ihn in Ruhe. Ich gebe vielleicht mal einen kleinen Wink oder erzähle von etwas, das ich spannend finde, aber ich möchte niemanden bekehren. Meine Familie weiß, warum ich mich so entschieden habe. Vielleicht denken meine Kinder irgendwann selbst darüber nach, vielleicht auch nicht. Das müssen sie entscheiden.
Muss man gleich komplett auf Fleisch verzichten?
Nein. Auch weniger Fleisch kann bereits ein sinnvoller Schritt sein. Eine pflanzenbetonte Ernährung bedeutet nicht automatisch, dass jeder Mensch vegetarisch oder vegan leben muss. Genau dieses Schwarz-Weiß-Denken finde ich bei Ernährung ohnehin anstrengend. Fleischesser gegen Vegetarier, Veganer gegen alle anderen – warum eigentlich?
Vielleicht isst jemand statt jeden Tag nur noch zweimal pro Woche Fleisch. Vielleicht werden die Portionen kleiner. Vielleicht entdeckt jemand Linsen oder Tofu. Vielleicht kauft jemand seltener Fleisch, dafür bewusster. Das ist doch alles Bewegung. Ich finde nicht, dass eine Veränderung erst dann zählt, wenn sie perfekt ist.
Würde ich eigentlich gern vegan leben?
Ehrlich gesagt: Ja. Ich bin aber noch nicht da. Ohne Eier und Milchprodukte fällt es mir bislang schwerer, und außerdem esse ich Fisch. Also tue ich auch nicht so, als wäre ich vegan. Vielleicht verändert sich das irgendwann, vielleicht auch nicht.
Ich habe inzwischen gelernt, dass ich bei Ernährung nicht perfekt sein muss, damit eine Veränderung etwas wert ist. Und das ist vermutlich eine der angenehmsten Erkenntnisse überhaupt. Ich muss niemandem beweisen, dass ich der konsequenteste Mensch am Tisch bin. Ich muss eine Ernährungsweise finden, mit der ich mich langfristig wohlfühle und mit der mein Körper bekommt, was er braucht.
Mein Fazit: Ich vermisse Fleisch erstaunlicherweise nicht
Wenn mir vor acht Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal jahrelang kein Fleisch essen würde, hätte ich ihn vermutlich ausgelacht. Ich? Die Frau mit dem quasi rohen Steak? Niemals. Und dann kam diese Schulter, der Frust, das Fasten, mein Versuch ohne Fleisch und schließlich meine Beschäftigung mit Ernährung, Umwelt und Tierhaltung. Irgendwann war Fleisch einfach weg.
Ob meine Schulter damals wegen des Fleischverzichts besser wurde, kann ich nicht beweisen. Deshalb werde ich euch auch nicht erzählen: Lasst Fleisch weg und eure Gelenkschmerzen verschwinden. Was ich sagen kann, ist: Bei mir begann damit eine Veränderung, mit der ich mich bis heute sehr gut fühle. Ich esse abwechslungsreich, achte inzwischen wesentlich stärker auf Protein und Nährstoffe und habe überhaupt nicht das Gefühl, dass mir Fleisch fehlt.
Und ich möchte niemanden bekehren. Meine Familie darf ihr Fleisch essen, ihr dürft Fleisch essen und ich esse eben keins. Ich möchte eigentlich nur erreichen, dass man vielleicht ab und zu darüber nachdenkt, ob Fleisch heute wirklich auf den Teller muss. Nicht weil ich es gesagt habe, sondern weil die Frage ziemlich interessant ist. Und manchmal beginnt Veränderung eben genau so.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Brauchen Frauen in den Wechseljahren Fleisch? Nein. Eine gut geplante vegetarische oder pescetarische Ernährung kann auch in den Wechseljahren eine ausreichende Nährstoffversorgung ermöglichen. Besonders wichtig sind genügend Protein und eine gute Versorgung mit relevanten Nährstoffen.
Hilft Fleischverzicht gegen Entzündungen oder Gelenkschmerzen? So pauschal lässt sich das nicht sagen. Eine pflanzenbetonte Ernährung kann gesundheitliche Vorteile haben, aber Fleisch allein als Ursache von Entzündungen oder Gelenkschmerzen darzustellen wäre wissenschaftlich nicht sauber.
Kann ich ohne Fleisch genug Protein bekommen? Ja. Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse und Samen können Protein liefern. Wer sich vegan ernährt, muss die Nährstoffversorgung gezielter planen.
Ist weniger Fleisch besser fürs Klima? Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung kann den ökologischen Fußabdruck der Ernährung reduzieren. Besonders Rindfleisch verursacht im Durchschnitt hohe Treibhausgasemissionen.
Muss ich komplett vegetarisch leben? Nein. Auch eine Verringerung des Fleischkonsums kann ein sinnvoller Schritt sein.
FAQ / Häufige Fragen zu Fleisch und Wechseljahren
Ist Fleisch in den Wechseljahren gesund oder ungesund?
Fleisch ist nicht pauschal gesund oder ungesund. Entscheidend sind Art, Menge, Verarbeitung und die gesamte Ernährung. Besonders verarbeitetes Fleisch sollte nur begrenzt gegessen werden.
Brauche ich Fleisch für den Muskelaufbau ab 50?
Nein. Entscheidend sind ausreichendes Protein, Bewegung beziehungsweise Krafttraining und die gesamte Ernährung. Protein kann aus tierischen oder pflanzlichen Lebensmitteln stammen.
Kann vegetarische Ernährung beim Abnehmen in den Wechseljahren helfen?
Vegetarisch bedeutet nicht automatisch kalorienarm. Eine pflanzenbetonte Ernährung mit vielen wenig verarbeiteten Lebensmitteln kann allerdings ballaststoff- und nährstoffreich sein. Für das Körpergewicht spielen darüber hinaus die gesamte Energieaufnahme, Bewegung, Muskelmasse, Schlaf und weitere Faktoren eine Rolle.
Kann Fleisch Gelenkschmerzen verursachen?
Ein allgemeiner Zusammenhang nach dem Muster „Fleisch essen verursacht Gelenkschmerzen“ ist nicht belegt. Bei starken oder anhaltenden Gelenkbeschwerden sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Was sollte ich essen, wenn ich Fleisch weglasse?
Fleisch sollte nicht einfach ersatzlos verschwinden. Sinnvoll sind andere Proteinquellen wie Hülsenfrüchte, Tofu, Eier, Milchprodukte oder – bei pescetarischer Ernährung – Fisch. Je nach Ernährungsform sollten unter anderem Eisen, Vitamin B12, Jod, Omega-3-Fettsäuren, Calcium und Vitamin D berücksichtigt werden.
Ist pescetarische Ernährung gesund?
Eine gut zusammengestellte pescetarische Ernährung kann ausgewogen und nährstoffreich sein. Entscheidend sind Vielfalt, Lebensmittelauswahl und eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen.
Ist vegane Ernährung auch in den Wechseljahren möglich?
Grundsätzlich kann auch eine vegane Ernährung funktionieren, sie muss allerdings gut geplant werden. Vitamin B12 muss zuverlässig supplementiert werden und auch weitere potenziell kritische Nährstoffe sollten berücksichtigt werden.
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Quellen
Für diesen Artikel würde ich als Quellen vor allem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu vegetarischer beziehungsweise pflanzenbetonter Ernährung und Nährstoffversorgung, WHO/IARC zur gesundheitlichen Bewertung von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie wissenschaftliche Fachliteratur zu pflanzenbetonter Ernährung verwenden. Für den Klima- und Umweltteil würde ich auf wissenschaftliche Untersuchungen zu den Umweltwirkungen verschiedener Lebensmittel sowie IPCC-Daten zurückgreifen. „Cowspiracy“ bleibt Teil meiner persönlichen Geschichte, dient aber ausdrücklich nicht als wissenschaftliche Quelle.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel beschreibt meine persönliche Entscheidung, seit acht Jahren kein Fleisch mehr zu essen. Die Verbesserung meiner damaligen Schulterschmerzen trat während einer Phase auf, in der ich gleichzeitig fastete und meine Ernährung veränderte. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Fleisch die Ursache meiner Beschwerden war oder dass Fleischverzicht Gelenkschmerzen behandelt. Ich ernähre mich nicht vegan, sondern pescetarisch und esse unter anderem Fisch, Eier und Milchprodukte. Die gesundheitlichen Informationen dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung.
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