Ich liebe meinen Mann. Wir sind schon ewig zusammen, ich finde ihn hot und grundsätzlich darf er mich auch weiterhin anfassen. Sehr sehr gerne 😄 Aber kennt ihr diese Abende?
Endlich liegen alle im Bett. Der Arbeitstag ist vorbei. Die Kinder wollen ausnahmsweise nichts mehr. Der Hund war draußen. Die Küche sieht zumindest so aus, als könnte man sie bis morgen ignorieren. Und dann kommt mein Mann näher. Hmmmmm… Eigentlich schön. Mein Kopf sagt auch schnell: „Ach ja, Sex. Will ich! Schöööööön!“ Mein Körper sagt: „Fass. Mich. Nicht. An.“ Nicht persönlich gemeint, Schatz.
Ich will gerade einfach nur meine Ruhe.
Und irgendwann fragt man sich schon: Was ist denn los mit mir? Wo ist meine Libido hin? Liegt die irgendwo zusammen mit meinem straffen Bauch, meinem Durchschlafvermögen und der Fähigkeit, mich an drei Dinge gleichzeitig zu erinnern?
Und – Überraschung – auch hier können die Wechseljahre ihre Finger im Spiel haben.

Warum verschwindet die Libido in den Wechseljahren?
Zunächst einmal: Du bist damit nicht allein. Sexuelle Lust kann sich im Laufe des Lebens verändern, und rund um die Wechseljahre kommen gleich mehrere Faktoren zusammen. Die Hormone verändern sich, insbesondere Östrogen und auch Androgene wie Testosteron. Gleichzeitig schlafen viele Frauen schlechter, sind erschöpft, gestresst oder fühlen sich in ihrem veränderten Körper nicht mehr ganz so zuhause wie früher.
Und mal ehrlich: Wenn du seit drei Nächten schlecht schläfst, tagsüber hundert Dinge organisierst, eine Hitzewallung nach der anderen hast und dein Nervensystem sowieso schon „Lasst mich alle in Ruhe!“ schreit, steht Sex vielleicht nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.
Dazu kommt etwas, worüber wir bereits gesprochen haben: Sex kann in den Wechseljahren plötzlich unangenehm oder sogar schmerzhaft werden. Durch den sinkenden Östrogenspiegel können die Schleimhäute im Genitalbereich dünner und trockener werden. Und wenn dein Körper gelernt hat: Sex = tut weh, ist es ziemlich nachvollziehbar, dass er nicht gerade mit Begeisterung nach einer Wiederholung verlangt.
Es liegt nicht automatisch an der Beziehung
Das finde ich besonders wichtig. Weniger Lust bedeutet nicht automatisch: Ich liebe meinen Partner nicht mehr. Und es bedeutet auch nicht automatisch: Unsere Beziehung funktioniert nicht mehr.
Manchmal bedeutet es schlicht: Ich bin komplett durch.
Gerade Frauen tragen häufig unglaublich viel Mental Load. Arbeit, Kinder, Termine, Einkaufen, Wäsche, Geburtstagsgeschenke, Tierarzt, Schule und nebenbei noch daran denken, dass irgendeiner morgen einen Turnbeutel braucht. Romantik entsteht nicht unbedingt automatisch, wenn dein Gehirn gleichzeitig versucht, die Einkaufsliste für morgen zu sortieren. Deshalb finde ich es wichtig, darüber zu sprechen. Nicht erst dann, wenn einer von beiden denkt, der andere habe grundsätzlich keine Lust mehr auf ihn. Aber das „Offenansprechen“ ist für Männer nicht einfach wegzustecken, ie nehmen das dann doch oft persönlich. Leider.
Kann die Lust wiederkommen?
Ja. Eine veränderte Libido in den Wechseljahren muss keineswegs bedeuten, dass das Sexleben jetzt vorbei ist.
Manchmal hilft es schon, den Druck herauszunehmen. Sex muss nicht spontan um 22.47 Uhr passieren, nur weil endlich Ruhe im Haus ist. Nähe kann auch anders anfangen: kuscheln, küssen, sich berühren – ohne dass daraus zwingend Sex werden muss. Und, wisst ihr was – ich habe festgestellt, dass ich keine Abend-Sexerin bin… nope. Abends bin ich völlig im Sack und knacke vor der Glotze ein, da kann ich nichts dran machen… mein Mann musste, und konnte es zum Glück, auf den Morgen umstellen… hihi, irgendwie gehen wir beide dann auch entspannter durch den Tag.
Und vielleicht müssen wir uns auch von der Vorstellung verabschieden, dass Lust immer vorher da sein muss. Bei manchen Menschen entsteht sexuelles Verlangen erst durch Nähe und Erregung. Man nennt das responsive Lust. Du liegst also nicht zwingend den ganzen Dienstag da und denkst: Boah, hätte ich heute Abend (oder Morgen in meinem Fall) Lust auf Sex. Die Lust kann auch erst entstehen, wenn ihr euch tatsächlich Zeit füreinander nehmt.
Allein diese Erkenntnis finde ich ziemlich entlastend.
Wenn Sex weh tut, bitte nicht einfach durchziehen
Das gehört für mich unbedingt dazu. Wenn Sex plötzlich brennt, zieht oder weh tut, solltest du dich nicht zwingen. Scheidentrockenheit und Veränderungen des Gewebes rund um die Menopause sind behandelbar.
Gleitgel kann beim Sex sehr hilfreich sein. Zusätzlich gibt es vaginale Feuchtigkeitspflege für den Alltag. Bei stärkeren Beschwerden kann auch eine lokale Östrogentherapie infrage kommen. Darüber solltest du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt sprechen.
👉 Lies dazu auch meinen Artikel „Warum tut Sex plötzlich weh?“
Was können Hormone mit der Libido zu tun haben?
Östrogen beeinflusst unter anderem die Durchblutung und Feuchtigkeit des Vaginalgewebes. Sinkende Hormonspiegel können deshalb indirekt auch die sexuelle Lust beeinträchtigen. Auch Testosteron spielt bei der weiblichen Sexualität eine Rolle. Bei anhaltend belastendem Verlust sexueller Lust können Ärztinnen und Ärzte deshalb verschiedene körperliche, psychische und medikamentöse Ursachen prüfen.
Eine Hormonersatztherapie sollte allerdings nicht nach dem Motto „Hormone rein, Libido wieder da“ betrachtet werden. Sexualität ist viel komplexer. Schlaf, Stress, Beziehung, Medikamente, körperliche Beschwerden und die eigene Lebenssituation gehören genauso dazu.
Und was kann ich selbst tun?
Als Erstes würde ich aufhören, mich unter Druck zu setzen. Du musst keine bestimmte Anzahl Sex pro Woche haben, damit deine Beziehung „normal“ ist. Viel wichtiger ist die Frage: Fehlt mir meine Lust überhaupt?
Wenn du selbst zufrieden bist, muss aus einer geringeren Libido nicht automatisch ein Problem gemacht werden. Wenn sie dir aber fehlt oder eure Beziehung darunter leidet, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Was vielen helfen kann: mehr Schlaf, weniger Stress, Bewegung, offen miteinander sprechen, Schmerzen behandeln lassen, bewusste Zeit als Paar und vor allem Nähe ohne Erwartungsdruck.
Und manchmal hilft wahrscheinlich auch etwas sehr Unromantisches: Die verdammte Wäsche kann bis morgen warten.
🌸 Das hat mir geholfen
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Das Buch hat mir geholfen, viele Veränderungen rund um die Wechseljahre überhaupt erst miteinander in Verbindung zu bringen – Sexualität inklusive.
Mein Fazit
Ich glaube, wir machen uns bei diesem Thema viel zu schnell selbst verrückt. Keine Lust? Dann stimmt bestimmt etwas mit der Beziehung nicht. Oder mit mir. Oder mit ihm. Vielleicht ist es manchmal viel einfacher.
Unser Körper verändert sich. Unser Alltag ist voll. Unsere Hormone veranstalten ihr eigenes kleines Festival und wir sind müde.Das bedeutet aber nicht, dass Lust verschwunden bleiben muss.
Vielleicht braucht sie heute einfach andere Bedingungen als mit 25. Mehr Ruhe. Mehr Zeit. Mehr Gleitgel. 😄 Und möglicherweise auch einen Mann, der vorher einfach mal die Küche aufräumt.
Ich sage ja nur.
Häufige Fragen
Ist weniger Libido in den Wechseljahren normal?
Sexuelles Verlangen kann sich während der Peri- und Postmenopause verändern. Dabei spielen hormonelle Veränderungen ebenso eine Rolle wie Schlaf, Stress, körperliche Beschwerden, Medikamente und die persönliche Lebenssituation.
Warum habe ich keine Lust, obwohl ich meinen Partner liebe?
Liebe und sexuelles Verlangen sind nicht dasselbe. Erschöpfung, Stress, Schmerzen, hormonelle Veränderungen oder fehlende Entspannung können die Lust beeinflussen, ohne dass mit der Beziehung grundsätzlich etwas nicht stimmt.
Kann die Libido nach den Wechseljahren wiederkommen?
Ja. Sexualität verändert sich im Laufe des Lebens und eine Phase mit weniger Lust muss nicht dauerhaft sein. Entscheidend ist unter anderem, welche Ursachen dahinterstecken.
Können Hormone bei Libidoverlust helfen?
Je nach Ursache können hormonelle Behandlungen eine Rolle spielen. Insbesondere Beschwerden wie vaginale Trockenheit und Schmerzen lassen sich häufig behandeln. Bei belastendem Libidoverlust solltest du das individuell gynäkologisch abklären lassen.
Was ist responsive Lust?
Damit ist gemeint, dass sexuelles Verlangen nicht unbedingt spontan entsteht. Bei manchen Menschen entwickelt sich Lust erst durch angenehme Nähe, Berührungen und sexuelle Erregung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Weniger Lust in den Wechseljahren ist keine Seltenheit.
- Hormone sind ein möglicher Faktor – aber nicht der einzige.
- Schlafmangel, Stress, Mental Load und Schmerzen können die Libido erheblich beeinflussen.
- Weniger Lust bedeutet nicht automatisch, dass mit deiner Beziehung etwas nicht stimmt.
- Schmerzen beim Sex solltest du nicht hinnehmen.
- Wenn dich der Libidoverlust belastet, lohnt sich eine gynäkologische Abklärung.
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Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause
- Deutsche Menopause Gesellschaft e. V.
- The Menopause Society: Informationen zu Sexual Health und genitourinärem Menopausensyndrom
- International Society for the Study of Women’s Sexual Health (ISSWSH)
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