Schlechter Schlaf, Hitzewallungen, Gelenkschmerzen und eine Zündschnur wie eine gespannte Angelsehne: Warum ich mit ungefähr 53 doch über eine Hormonersatztherapie gesprochen habe.
Ich hatte nach mehreren Jahren mit schlechtem Schlaf, Hitzewallungen, Schmerzen in den Gelenken und einem Bauch, der sich zunehmend in die vorderste Linie drängte, so mit ungefähr 53 die Faxen dicke. Und ehrlich gesagt: nicht nur ich. Meine Familie vermutlich auch.
Meine Güte – ich war reizbar wie eine gespannte Angelsehne. Ich war eh nie die Geduldigste, aber zu der Zeit? Mannomann. Nicht auszuhalten. Nicht, dass die Gründe für mein Ausrasten nicht wirklich da gewesen wären – denn DAS WAREN SIE NATÜRLICH! 😆 Aber gefühlt saß ich den ganzen Tag auf der Palme und schoss bei Bedarf noch schnell in die obersten Wedel hoch.
Und das war auch für mich selbst furchtbar. Mein Nervensystem fühlte sich den ganzen Tag an, als säße ich in einer Achterbahn kurz vor der nächsten Abfahrt. Es kribbelte latent irgendwo in meinem Zentrum, als wollten meine Nerven mir permanent sagen: Pass bloß auf. Hinter der nächsten Ecke passiert gleich was! Und was passierte? Oft: nix.
Mehrere Freundinnen und Bekannte hatten mir unabhängig voneinander erzählt, dass sie etwas Ähnliches erlebt hatten – natürlich bei jeder anders – und inzwischen Hormone nahmen. „Bioidentische Hormone“, hieß es immer wieder. Pöh! Brauchte ich doch nicht. Ich kriege das schon so hin. Ein paar Supplements hier, ein bisschen Lebensstil da, komm klar.
Ooooookay.
Kam ich nicht.

Was ist denn jetzt mit Hormonen?
Ich bin wirklich keine Frau, die eine enge Beziehung zu ihren Ärztinnen und Ärzten pflegt. Ich gehe hin, wenn ich muss. Ich weiß. Bitte nicht als Vorbild nehmen. 😆 Entsprechend laaaaaaaaaange war mein letzter Termin her und dafür gab es erst einmal charmant einen auf den Sack. Okay. Den hatte ich verdient.
Aber dann wollte ich es wissen: Was ist denn jetzt mit Hormonen?
Die Ärztin war selbst hochschwanger und mein erster völlig irrationaler Gedanke war natürlich: Was kann DIE denn über meine Probleme wissen? 😉 Tja. Vorurteile können wir offenbar auch mit Mitte 50 noch hervorragend. Sie erzählte mir nämlich, dass sie sich intensiv mit dem Thema Wechseljahre beschäftigt hatte und erklärte mir sehr viel mehr, als ich hier aus einem persönlichen Arztgespräch wiedergeben möchte.
Brauche ich vorher einen Hormonstatus?
Ich fragte natürlich sofort nach Blutwerten. Müssen wir nicht erst Hormone messen? Woher wissen wir denn sonst, was mir fehlt?
Bei ansonsten gesunden Frauen über 45 mit typischen Wechseljahresbeschwerden wird die Perimenopause beziehungsweise Menopause normalerweise anhand von Alter, Beschwerden und Veränderungen des Zyklus beurteilt – nicht anhand eines einzelnen Hormonwertes. Hormone können während der Perimenopause erheblich schwanken. Ein einzelner Wert ist deshalb ein ziemlich schlechtes Standbild eines sehr bewegten Films. Auch die aktuelle NICE-Leitlinie rät bei Frauen ab 45 davon ab, Estradiol routinemäßig zur Diagnose zu bestimmen.
Das bedeutet nicht, dass Blutuntersuchungen grundsätzlich unnötig sind. Bei untypischen Beschwerden, in jüngerem Alter, bei bestimmten Vorerkrankungen oder anderen Fragestellungen können Untersuchungen sinnvoll sein. Vor einer Hormontherapie gehören Beschwerden, Krankengeschichte und persönliche Risiken in die ärztliche Beratung.
Warum Östrogen und Progesteron?
Meine Ärztin verschrieb mir schließlich ein Östrogen-Gel und Progesteron. Morgens das Gel auf die Haut, abends die Progesteron-Kapsel – und jetzt schauen wir mal. An dieser Stelle hatte ich natürlich wieder ungefähr 748 Fragen. Warum eigentlich zwei Hormone?
Östrogen ist ein zentraler Bestandteil vieler systemischer Hormonersatztherapien. Wenn eine Frau ihre Gebärmutter noch hat, wird bei einer systemischen Östrogentherapie normalerweise zusätzlich ein Gestagen beziehungsweise Progesteron eingesetzt. Östrogen kann die Gebärmutterschleimhaut stimulieren; der zusätzliche Gestagen-Anteil schützt sie vor einer übermäßigen Stimulation. Nach vollständiger Entfernung der Gebärmutter kann dagegen in vielen Fällen Östrogen allein eingesetzt werden.
„Bioidentisch“ – was heißt das überhaupt?
„Bioidentisch“ klang für mich anfangs ein bisschen nach Reformhaus, Yamswurzel und einer Frau in Leinenhose, die ihre Hormone bei Vollmond anrührt. 😆 Tatsächlich bedeutet der Begriff erst einmal etwas viel Unspektakuläreres: Die Molekülstruktur des verwendeten Hormons entspricht der des körpereigenen Hormons.
Dazu gehören beispielsweise Estradiol und mikronisiertes Progesteron. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zugelassenen, standardisierten Arzneimitteln und individuell hergestellten Mischungen. Nur weil irgendwo „natürlich“ oder „bioidentisch“ steht, ist ein Präparat nicht automatisch besser oder sicherer.
Was mir „Woman on Fire“ erklärt hat
Parallel zur Behandlung wollte ich endlich verstehen, was da eigentlich mit mir passiert. Also kaufte ich mir Woman on Fire – Alles über die fabelhaften Wechseljahre von Dr. Sheila de Liz*.
Und das war für mich genau richtig geschrieben. Nicht dieses medizinische Blablabla, bei dem ich nach Seite sieben gedanklich die Spülmaschine ausräume. Sondern verständlich, direkt, bildlich und mit Humor. Genau so kriegt man mich. 😆
Mir hat das Buch geholfen, meine Wechseljahre besser zu verstehen und mit ganz anderen Fragen auf meine Behandlung zu schauen. Es ersetzt kein individuelles ärztliches Gespräch – aber für mich war es ein ziemlich guter Einstieg. Meine ausführliche Einschätzung findest du auch in meiner Rezension zu „Woman on Fire“.
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Nach einer Woche passierte nachts etwas
Meine Ärztin hatte mich darauf vorbereitet, dass es dauern kann, bis ich Veränderungen merke. Bei mir ging es überraschend schnell.
Nach ungefähr einer Woche passierte nachts etwas, das für andere Menschen vermutlich vollkommen unspektakulär klingt und für mich ungefähr Weihnachten, Geburtstag und Lottogewinn gleichzeitig war:
Ich wurde wach – und schlief wieder ein.
Leute!!!
Ich wollte doch gar nicht mehr unbedingt acht Stunden bewusstlos durchschlafen. Meine Ansprüche waren längst gesunken. 😆 Ich wollte einfach nicht mehr um drei Uhr nachts die Augen aufmachen und anschließend DREI STUNDEN wachliegen, während mein Gehirn die Probleme der Welt wälzt. Und plötzlich wurde ich kurz wach, drehte mich um und pennte wieder ein. Für mich war das eine krasse Veränderung.
Das heißt nicht, dass jede Frau nach einer Woche denselben Effekt erlebt. Eine HRT kann besonders Hitzewallungen und Nachtschweiß lindern und dadurch bei manchen Frauen auch den Schlaf verbessern. Wann eine Wirkung spürbar wird und welche Beschwerden sich verändern, ist individuell. Wenn du diese Nächte kennst: Hier erzähle ich auch von meinem Wachwerden um drei Uhr und vom Nachtschweiß in den Wechseljahren.
Und mein Bauch?
Der zog sich für mein Empfinden ebenfalls ein Stück aus dem Mittelpunkt zurück. Nicht weg. Wir wollen hier ja nicht anfangen, Märchen zu erzählen. 😆 Er möchte sich immer noch gelegentlich wichtiger machen als andere Körperteile. Wichtigtuer.
Meine Körperform fühlte sich für mich wieder etwas anders an und ich fühlte mich insgesamt wohler. Aber: Das ist meine persönliche Beobachtung. Eine Hormonersatztherapie ist keine Abnehmtherapie und sollte auch nicht als solche eingesetzt oder verkauft werden. Was sich rund um die Menopause tatsächlich an Fett- und Muskelmasse verändern kann, erkläre ich im Artikel Bauch in den Wechseljahren.
Und nein, ich muss keinen Körper mehr wie eine 25-Jährige haben. Na ja. Wehren würde ich mich jetzt auch nicht. Aber es macht mich nicht fertig, wenn nicht. 😉
Hormone sind weder Teufelszeug noch Bonbons
HRT gehört zu den wirksamsten Behandlungen gegen Hitzewallungen und Nachtschweiß. Außerdem schützt eine systemische HRT während der Anwendung vor menopausenbedingtem Knochenabbau. Die Entscheidung sollte aber immer individuell getroffen werden.
Welche Hormone verwendet werden, in welcher Dosierung und ob sie als Gel, Pflaster, Spray oder Tablette eingesetzt werden, hängt von Beschwerden, Alter, Vorerkrankungen und persönlichen Risikofaktoren ab. Deshalb würde ich niemandem schreiben: „Nimm Hormone, die sind super!“ Ich kann nur schreiben: Für mich waren sie eine große Hilfe.
HRT hat Nutzen und Risiken. Bei kombinierter HRT kann beispielsweise das Brustkrebsrisiko mit zunehmender Behandlungsdauer steigen. Manche Risiken unterscheiden sich je nach Anwendungsweg: Nach NICE ist das Risiko venöser Thromboembolien bei transdermaler HRT – Östrogen über die Haut – nicht erhöht, bei oraler HRT dagegen erhöht. Das macht eine Form nicht pauschal für jede Frau zur richtigen. Es gehört in die individuelle Beratung.
Deshalb finde ich weder „Hormone sind gefährlich“ noch „Hormone sind völlig harmlos“ hilfreich. Es geht darum, den persönlichen Nutzen und die persönlichen Risiken vernünftig gegeneinander abzuwägen.
Was sich für mich verändert hat
Am deutlichsten war für mich der Schlaf. Das allein war schon riesig. Auch meine Hitzewallungen und dieses permanente innere Hochspannungsgefühl wurden besser. Meine Gelenkbeschwerden hatte ich bereits mit anderen Dingen angegangen und insgesamt fühlte sich mein Körper irgendwann wieder mehr nach meinem Körper an.
Und vielleicht war genau das das Entscheidende. Ich hatte irgendwann aufgehört zu denken: Stell dich nicht so an. Das gehört halt zum Älterwerden. Denn ja, Beschwerden können zu den Wechseljahren gehören. Aber nur weil etwas häufig vorkommt, bedeutet das doch nicht automatisch, dass wir jahrelang darunter leiden müssen.
Wann ich heute früher Hilfe suchen würde
Ich war lange überzeugt, dass ich das alleine hinkriege. Supplements. Zusammenreißen. Schlafhygiene. Ernährung. Bewegung. Und einiges davon hilft mir bis heute. Aber irgendwann musste ich mir eingestehen: Mir geht es nicht gut. Nicht „ein bisschen genervt“. Nicht „ich werde halt älter“. Sondern so, dass meine Beschwerden meinen Alltag und meine Lebensqualität beeinflussten.
Für mich war es richtig, dann über Hormone zu sprechen. Das heißt nicht, dass HRT für jede Frau die richtige Entscheidung ist. Nicht jede braucht oder möchte sie, und für manche kommt sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation nicht oder nur nach besonders sorgfältiger Abwägung infrage. Es gibt auch nicht-hormonelle Behandlungsmöglichkeiten.
Wenn ihr an dem Punkt seid, an dem ihr denkt: So möchte ich mich nicht die nächsten Jahre fühlen, dann würde ich heute eines anders machen: Ich würde mich informieren und mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber sprechen, welche Möglichkeiten für mich persönlich infrage kommen.
Und wenn ihr hören möchtet, wie es einer anderen Frau damit ergangen ist: Schreibt mir gern in die Kommentare. Ich antworte. Nicht als Ärztin. Nicht mit einer Therapieempfehlung. Sondern als Frau, die irgendwann auch dastand und dachte: Okay. Und was ist denn jetzt mit Hormonen? 🌸
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Meine Erfahrung: Besonders Schlaf, Hitzewallungen und innere Anspannung besserten sich bei mir deutlich.
- Keine Erfolgsgarantie: Wirkung, passende Form und Dosierung sind individuell.
- Diagnose: Bei ansonsten gesunden Frauen ab 45 mit typischen Beschwerden ist ein routinemäßiger Hormonstatus meist nicht nötig.
- Gebärmutter vorhanden: Systemisches Östrogen wird normalerweise mit einem Gestagen zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut kombiniert.
- Nutzen und Risiken: Beides muss persönlich und ärztlich abgewogen werden. HRT ist weder Abnehmtherapie noch pauschal harmlos oder gefährlich.
FAQ: Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
Was ist eine Hormonersatztherapie?
Bei einer menopausalen Hormonersatztherapie, kurz HRT oder MHT, werden Hormone zur Behandlung belastender Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Systemisches Östrogen gibt es unter anderem als Gel, Pflaster, Spray oder Tablette.
Muss man vor einer HRT die Hormone im Blut messen?
Bei ansonsten gesunden Frauen ab 45 mit typischen Beschwerden normalerweise nicht zur Diagnose der Perimenopause oder Menopause. In jüngeren Jahren, bei atypischen Beschwerden oder besonderen medizinischen Fragen kann Labor-Diagnostik sinnvoll sein.
Warum werden Östrogen und Progesteron kombiniert?
Bei vorhandener Gebärmutter muss die Gebärmutterschleimhaut während einer systemischen Östrogentherapie geschützt werden. Deshalb wird normalerweise ein Gestagen beziehungsweise Progesteron ergänzt.
Was bedeutet „bioidentische Hormone“?
Ihre Molekülstruktur entspricht der körpereigener Hormone. Dazu können zugelassene Arzneimittel mit Estradiol oder mikronisiertem Progesteron gehören. Der Begriff allein beweist aber weder bessere Wirksamkeit noch höhere Sicherheit.
Wie schnell wirkt eine HRT?
Das ist individuell. Bei mir war die erste Schlafveränderung nach ungefähr einer Woche spürbar; das ist meine Erfahrung und keine Deadline. Bei anderen dauert es mehrere Wochen und manchmal müssen Präparat oder Dosis ärztlich angepasst werden.
Kann HRT den Schlaf verbessern?
Sie kann den Schlaf mancher Frauen verbessern, besonders wenn Hitzewallungen oder Nachtschweiß ihn stören. Schlafprobleme haben aber viele mögliche Ursachen und sollten bei anhaltender Belastung abgeklärt werden.
Ist HRT über Gel oder Pflaster sicherer als eine Tablette?
„Sicherer“ lässt sich nicht pauschal sagen. Bestimmte Risiken unterscheiden sich jedoch: Das Risiko venöser Thromboembolien ist laut NICE bei transdermalem Östrogen nicht erhöht, bei oraler HRT dagegen erhöht. Welche Form passt, muss individuell entschieden werden.
Hilft eine HRT beim Abnehmen?
Nein, HRT ist keine Abnehmtherapie. Körperzusammensetzung und Fettverteilung können sich rund um die Menopause verändern. Meine Beobachtung am Bauch ist persönlich und kein Effekt, den jede Frau erwarten kann.
Ist eine Hormonersatztherapie risikofrei?
Nein. Nutzen und Risiken hängen unter anderem von Alter, Beschwerden, Vorerkrankungen, Art, Anwendungsweg und Dauer der Therapie ab. Eine HRT sollte nach persönlicher medizinischer Beratung begonnen und regelmäßig überprüft werden.
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- Lohnt sich „Woman on Fire“ wirklich?
Quellen
- AWMF (2026): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Therapie
- NICE (aktualisiert 2026): Menopause – Empfehlungen zu Diagnose, Beratung und HRT
- Pinkerton et al.: Hormontherapie, nächtliche vasomotorische Beschwerden und Schlaf – randomisierte Studie
- Greendale et al.: Veränderungen von Körperzusammensetzung und Gewicht während der Menopausetransition
Transparenzhinweis
Dieser Artikel beschreibt meine persönliche Erfahrung mit einer ärztlich verordneten Hormonersatztherapie. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Der Beitrag ersetzt keine Diagnose oder ärztliche Beratung und empfiehlt weder bestimmte Präparate noch Dosierungen. „Woman on Fire“ habe ich selbst gelesen und empfehle es aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Der mit * gekennzeichnete Link ist ein Affiliate-Link; bei einem Kauf erhalte ich eine Provision, ohne dass das Produkt für dich teurer wird.
