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Fasten in den Wechseljahren: Gesund oder keine gute Idee?

Ich faste seit über zehn Jahren regelmäßig. Was längeres Fasten mit Entzündungen, Muskeln und Stoffwechsel macht – und für wen es nicht geeignet ist.

Nix essen. Klingt eigentlich ziemlich simpel, oder? Ist es aber nicht. Denn nix essen bedeutet eben auch: nicht einfach zugreifen, wenn irgendwo etwas herumliegt. Ich bin früher ständig an den Weintrauben vorbeigelaufen und habe mir ganz automatisch eine, zwei, drei geschnappt und in den Mund geschoben. Zack. Gegessen. Ohne auch nur darüber nachzudenken. Okay, bei Schokolade war das natürlich ähnlich – darüber habe ich ja schon geschrieben. 😆 Und plötzlich sollte ich einfach … gar nichts essen.

Wie ich überhaupt darauf kam? Ich hatte es schon einmal erzählt: Ich hatte unfassbare Schmerzen in meiner Schulter. Das Gelenk war völlig gereizt und bestimmte Bewegungen waren kaum auszuhalten. „Du musst das Gelenk dehnen und öffnen, dann bekommst du den Druck raus und das bisschen Kalk macht irgendwann nichts mehr aus“, hieß es. Okay. Dehnen. Waaaaaas?! Ich habe es hundertmal versucht. ES. GEHT. NICHT! Sobald ich das Gelenk in eine bestimmte Richtung dehnen wollte, fühlte es sich an, als würde ein Stromschlag durch meine Schulter schießen. Nicht zum Aushalten.

Spritzen hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch schon genug bekommen. Die halfen bei mir immer nur für eine begrenzte Zeit und dann fing das Ganze wieder von vorne an. Und das über Jahre. Also fing ich wieder an zu recherchieren und landete irgendwann beim Thema Entzündungsprozesse und Fasten. Ich las, dass Fasten möglicherweise verschiedene Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse beeinflussen kann, und dachte: Okay. Das probiere ich aus.

Und weil ich offenbar kein Mensch für halbe Sachen bin, habe ich nicht mit einem gemütlichen Fastentag angefangen. Nö. Zehn Tage. Direkt in die Vollen. 😆 Ich habe mich eingelesen, alles durchgeplant und angefangen. Ich will euch da überhaupt nichts schönreden: Das war hart. Vor allem am Anfang musste ich erst einmal begreifen, wie häufig mein Kopf „Hunger!“ schreit, obwohl es manchmal vielleicht Gewohnheit, Appetit oder auch Durst war. Nach ein paar Tagen fühlte ich mich außerdem zeitweise ziemlich klapperig. Und ich habe diese zehn Tage damals komplett in Eigenregie gemacht.

Das würde ich heute nicht einfach jedem empfehlen. Mehrtägiges Fasten ist etwas anderes als mal das Frühstück auszulassen oder 16 Stunden nichts zu essen. Je nach Vorerkrankungen, Medikamenten und persönlicher Situation kann längeres Fasten ungeeignet oder riskant sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für eine sichere Durchführung des Heilfastens eine ärztliche beziehungsweise therapeutische Betreuung. Ich bin leider selbst nicht gerade Weltmeisterin im freiwilligen Arztbesuch – völlig falsch, ich weiß. Also: Macht es an dieser Stelle bitte besser als ich.

Zurück zu meinen Fastentagen. Denn für mich war das Ergebnis damals verblüffend: Meine Schulterbeschwerden wurden in dieser Zeit deutlich besser. Ich konnte anschließend endlich anfangen zu dehnen und die Beweglichkeit wieder aufzubauen. Das war für mich der Anfang einer Entwicklung, durch die meine Schulter schließlich wieder richtig gut wurde. Ob das Fasten dafür verantwortlich war, kann ich natürlich nicht beweisen. Ich hatte gleichzeitig meine Ernährung verändert, später Fleisch weggelassen und an der Schulter gearbeitet. Aber diese erste Erfahrung mit Fasten war für mich so eindrücklich, dass ich dabeigeblieben bin.

Seitdem faste ich regelmäßig – inzwischen seit mehr als zehn Jahren und meistens mehrmals im Jahr. Gerade jetzt in den Wechseljahren möchte ich es für mich nicht mehr missen. Ich habe immer wieder mit Gelenkbeschwerden zu tun und habe persönlich das Gefühl, dass Fasten zusammen mit Bewegung und meiner hormonellen Behandlung dazu beiträgt, dass ich damit gut zurechtkomme. Das ist allerdings meine Erfahrung und kein Beweis dafür, dass Fasten Gelenkschmerzen in den Wechseljahren behandelt. Und genau deshalb wollte ich diesmal genauer wissen: Was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu?

KI-erstelltes Symbolbild. Es zeigt keine reale Aufnahmesituation.

Ist Fasten in den Wechseljahren gesund?

Fasten kann Stoffwechselprozesse verändern und je nach Fastenform beispielsweise Körpergewicht und bestimmte Stoffwechselmarker beeinflussen. Für die Behauptung, dass längeres Fasten speziell Frauen in den Wechseljahren besondere gesundheitliche Vorteile bringt, ist die Studienlage allerdings noch nicht stark genug.

Und hier müssen wir erst einmal unterscheiden, worüber wir eigentlich reden. „Fasten“ kann bedeuten, jeden Tag nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters zu essen – also beispielsweise 16:8. Es kann bedeuten, einzelne Fastentage einzulegen. Heilfasten erlaubt geringe Energiemengen. Scheinfasten beziehungsweise eine Fasting-Mimicking Diet versucht, durch eine stark kalorienreduzierte Ernährung bestimmte Fasteneffekte nachzuahmen. Und dann gibt es das, was ich mache: mehrere Tage praktisch keine Energiezufuhr. Das sind nicht dieselben Interventionen, und Studien über 16:8 lassen sich deshalb nicht einfach auf zehn Tage Wasserfasten übertragen.

Was passiert im Körper, wenn ich mehrere Tage nichts esse?

Wenn über längere Zeit keine Energie über Nahrung aufgenommen wird, leert der Körper zunächst seine Glykogenspeicher und stellt seine Energieversorgung zunehmend auf Fettreserven und Ketonkörper um. Gleichzeitig verändern sich zahlreiche hormonelle und zelluläre Prozesse.

Genau das ist vermutlich auch der Grund, warum Fasten inzwischen gern als eine Art biologischer Reset verkauft wird. Begriffe wie Ketose, Autophagie und Zellrecycling klingen natürlich fantastisch. Und ja: Solche Mechanismen existieren. Aber wir sollten aus Erkenntnissen aus Zellen und Versuchstieren nicht automatisch ableiten, dass zehn Tage Fasten beim Menschen sämtliche alten Zellen aufräumen und uns anschließend biologisch verjüngt wieder ausspucken.

Auch bei der Autophagie – einem natürlichen zellulären Recyclingprozess – gibt es viel spannende Forschung. Wie stark sich diese Vorgänge durch verschiedene Fastenformen beim Menschen beeinflussen lassen und was daraus langfristig gesundheitlich folgt, ist allerdings wesentlich komplizierter, als manche Fastenwerbung vermuten lässt.

Senkt Fasten Entzündungen?

Und jetzt kommen wir zu dem Teil, bei dem ich selbst ziemlich aufgehorcht habe.

Die Antwort lautet: Es kommt offenbar sehr auf die Fastenform an – und längeres Fasten senkt Entzündungen keineswegs automatisch.

Eine aktuelle Meta-Analyse zu verschiedenen Formen des Intervallfastens fand zwar kleine Verbesserungen einiger Entzündungsmarker wie CRP und TNF-α, allerdings nicht bei allen untersuchten Markern. Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass weitere langfristige Studien notwendig sind.

Beim mehrtägigen Fasten sieht die Sache noch komplizierter aus. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu Fastenperioden ab 48 Stunden kam zu dem Ergebnis, dass die Effekte auf Entzündungsmarker uneinheitlich sind. Und eine 2025 veröffentlichte Studie untersuchte sogar medizinisch begleitetes Wasserfasten mit einer durchschnittlichen Dauer von knapp zehn Tagen – also ziemlich genau in der Größenordnung, die ich selbst kenne. Dabei stiegen bestimmte Entzündungsmarker während des Fastens an und es zeigten sich Hinweise auf eine vorübergehende Aktivierung von Entzündungs- und Gerinnungsprozessen.

Das finde ich richtig wichtig. Denn damit fällt die schöne einfache Erklärung „Fasten holt die Entzündung aus meinem Körper“ für meine Schultergeschichte weg. So kann ich es wissenschaftlich nicht behaupten. Meine Schmerzen wurden damals während beziehungsweise nach meiner Ernährungsumstellung deutlich besser – aber warum genau, weiß ich nicht.

Hilft Fasten gegen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Es gibt derzeit keine belastbare Grundlage dafür, mehrtägiges Fasten generell als Behandlung von Gelenkschmerzen in den Wechseljahren zu empfehlen. Gelenkbeschwerden können viele Ursachen haben und sollten bei starken, neuen oder länger anhaltenden Schmerzen medizinisch abgeklärt werden.

Das ändert nichts daran, dass meine persönliche Erfahrung damals unglaublich positiv war. Ich konnte nach dieser Phase endlich wieder an der Beweglichkeit meiner Schulter arbeiten. Nur möchte ich aus „Bei mir passierte das“ nicht „Das funktioniert bei euch auch“ machen.

Und rückblickend finde ich meine Schultergeschichte inzwischen sogar noch interessanter. Denn Gelenk- und Schulterbeschwerden werden auch im Zusammenhang mit der Lebensphase rund um die Menopause diskutiert. Wir wissen also heute wesentlich mehr darüber, dass bei Frauen um die Wechseljahre mehrere Dinge gleichzeitig zusammenspielen können.

👉 Guck auch in meinen Artikel über Gelenkschmerzen in den Wechseljahren.

Ist Fasten in den Wechseljahren schlecht für die Muskeln?

Gerade ab 50 ist der Erhalt von Muskelmasse wichtig. Längeres Fasten bedeutet gleichzeitig, dass über mehrere Tage kein oder kaum Protein aufgenommen wird. Deshalb sollten Frauen, die länger fasten möchten, den Muskelerhalt besonders im Blick behalten.

Das ist für ANNILIV ein ganz wichtiger Punkt. Wir können nicht auf der einen Seite sagen: „Leute, kümmert euch um eure Muskeln!“ und auf der anderen Seite völlig unkritisch zehn Tage Nulldiät feiern. 😆 Während eines Fastens verändert sich die Energiebereitstellung des Körpers und ein großer Teil der Energie kommt mit zunehmender Fastendauer aus Fettreserven. Trotzdem bedeutet Gewichtsverlust beim längeren Fasten nicht ausschließlich Fettverlust.

Interessanterweise fand die kleine Studie zum rund zehntägigen medizinisch begleiteten Wasserfasten Hinweise auf eine relative Erhaltung von Skelettmuskel- und Knochen-Signalwegen – aber das waren nur 20 Teilnehmende und daraus lässt sich keinesfalls ableiten, dass langes Fasten für unsere Muskeln völlig unproblematisch ist. Für mich heißt das deshalb: Gerade rund um die Menopause gehören Fasten, Proteinversorgung außerhalb der Fastenphase und Krafttraining gedanklich zusammen.

👉 Warum verliere ich in den Wechseljahren Muskeln?
👉 Brauche ich wirklich ein Proteinpulver?

Kann man mit Fasten in den Wechseljahren abnehmen?

Beim längeren Fasten sinkt das Körpergewicht zwangsläufig, weil dem Körper kaum oder keine Energie zugeführt wird. Für eine dauerhafte Gewichtsabnahme ist aber entscheidend, was nach dem Fasten passiert.

Auch die DGE weist darauf hin, dass Heilfasten für eine langfristige Gewichtsabnahme nur bedingt geeignet ist, aber ein Einstieg in eine Ernährungsumstellung sein kann. Und das trifft meine Erfahrung ziemlich gut: Für mich ist Fasten weniger eine Diät als eine Unterbrechung meiner normalen Essgewohnheiten.

Nach ein paar Tagen ohne Essen schmeckt plötzlich eine Tomate absurd intensiv. Man merkt, wie salzig manche Sachen sind, wie süß andere und wie oft man normalerweise isst, obwohl man eigentlich gar keinen richtigen Hunger hat. Genau diese Erfahrung finde ich für mich viel wertvoller als irgendeine Zahl auf der Waage.

Warum Fasten für mich auch Kopfsache ist

Fasten räumt bei mir im Kopf auf. Klingt esoterischer, als ich es meine. 😆 Wenn Essen einfach mal komplett wegfällt, merke ich plötzlich, wie oft ich normalerweise esse, ohne Hunger zu haben. Weil etwas herumsteht. Weil ich mich belohnen möchte. Weil ich gestresst bin. Weil die anderen essen. Oder eben weil da Weintrauben liegen und meine Hand offenbar ein Eigenleben führt.

Das Faszinierendste ist für mich inzwischen, Hunger und „Ich möchte jetzt essen“ besser auseinanderhalten zu können. Das ist nämlich überhaupt nicht dasselbe. Und natürlich habe ich beim Fasten Hunger. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die an Tag drei verklärt verkünden: „Mein Hunger ist komplett verschwunden und ich fühle mich wie neu geboren.“ Ich habe Phasen, in denen ich Essen fantastisch fände. 😆 Aber nach so vielen Jahren kenne ich dieses Gefühl inzwischen und weiß, dass es auch wieder vorbeigeht.

Genau deshalb würde ich meine heutige Fastenerfahrung aber niemals mit dem ersten Mal vergleichen. Ich weiß inzwischen, wie mein Körper normalerweise reagiert. Jemand, der zum ersten Mal länger fastet, hat diese Erfahrung nicht.

Und was ist mit meinem Wein?

Es gab eine Zeit, in der ich mein Weinchen wirklich ziemlich ausgiebig zelebriert habe. Bei einer meiner Fastenphasen hatte ich dann über mehrere Tage unangenehme Rückenschmerzen. Ob das tatsächlich irgendetwas mit meinem vorherigen Alkoholkonsum zu tun hatte, weiß ich nicht. In meinem Kopf war die Erklärung natürlich sofort: Tja. Jetzt wirst du mit deinen Sünden konfrontiert. 😆

Heute würde ich das medizinisch nicht so interpretieren. Rückenschmerzen während des Fastens können viele Ursachen haben und ungewöhnliche oder starke Beschwerden sollte man nicht als irgendeine mystische „Entgiftungsreaktion“ abtun. Genau solche Erklärungen finde ich inzwischen problematisch: Nicht jedes Kopfweh ist ein Beweis dafür, dass „Giftstoffe den Körper verlassen“.

Mein Alkoholkonsum hat sich trotzdem stark verändert. Vor allem deshalb, weil ich gemerkt habe, wie schlecht ich nach Alkohol schlafe.

👉 Lies auch: Alkohol in den Wechseljahren – warum ich ihn plötzlich nicht mehr vertrage.

Was ist Scheinfasten – und ist das eine Alternative?

Beim sogenannten Scheinfasten oder der Fasting-Mimicking Diet wird mehrere Tage lang sehr wenig und speziell zusammengesetzte Nahrung gegessen. Damit sollen bestimmte Stoffwechselreaktionen des Fastens ausgelöst werden, ohne vollständig auf Nahrung zu verzichten.

Das habe ich auch schon ausprobiert. Und ich verstehe absolut, warum Menschen das angenehmer finden. Wenn man mit der Familie am Tisch sitzt und alle anderen fröhlich essen, ist ein bisschen essen psychologisch etwas völlig anderes als gar nichts.

Zur Fasting-Mimicking Diet gibt es inzwischen Humanstudien. Eine aktuelle Meta-Analyse randomisierter Studien fand Verbesserungen bei einigen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Markern, während andere untersuchte Faktoren sich nicht signifikant veränderten; die Autoren fordern weitere Forschung zu den langfristigen Auswirkungen. Eine kleine randomisierte Studie von 2025 untersuchte zudem erstmals bestimmte Marker der Autophagie beim Menschen unter einer Fasting-Mimicking Diet. Das Thema ist also spannend – aber auch hier sind wir weit entfernt von „wissenschaftlich bewiesener Verjüngungskur“.

Ich bin im Alltag leider häufig zu beschäftigt, um mir sämtliche Zutaten für mehrere Tage Scheinfasten zu besorgen und zuzubereiten. Deshalb ist für mich persönlich die klare Variante einfacher: Nix essen. Fertig. Das ist aber Bequemlichkeit – kein medizinisches Argument dafür, dass Wasserfasten besser wäre.

Intervallfasten oder mehrere Tage fasten – was ist besser?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Intervallfasten und mehrtägiges Fasten sind unterschiedliche Strategien und die beste Wahl hängt vom Ziel, Gesundheitszustand und Alltag ab. Für langes Wasserfasten gibt es wesentlich weniger belastbare Langzeitdaten als für viele moderatere Ernährungsansätze.

Wer lediglich verhindern möchte, den ganzen Abend nebenbei zu snacken, braucht dafür vermutlich keine zehntägige Fastenkur. Ein festes Essensfenster kann für manche Menschen schon helfen, Struktur in den Alltag zu bringen.

Ich persönlich mag dagegen gerade diesen kompletten Schnitt. Das ist meine Erfahrung nach vielen Jahren. Aber daraus mache ich keine allgemeine Empfehlung.

Wer sollte nicht einfach auf eigene Faust länger fasten?

Mehrere Tage ohne Nahrung sind keine harmlose Wellness-Challenge. Besonders bei bestimmten Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Essstörungen oder einer Vorgeschichte damit, Schwangerschaft und Stillzeit sowie weiteren gesundheitlichen Besonderheiten sollte längeres Fasten nicht ohne medizinische Rücksprache begonnen werden. Auch bei Untergewicht oder einem erhöhten Risiko für Mangelernährung ist besondere Vorsicht angebracht.

Und auch für ansonsten gesunde Menschen gilt: Wenn während des Fastens starke Schwäche, Kreislaufprobleme, Herzbeschwerden, Verwirrtheit, anhaltendes Erbrechen oder andere deutliche Beschwerden auftreten, ist „Augen zu und durch“ keine Heldentat.

Das sage ausgerechnet ich, die beim ersten Mal zehn Tage in Eigenregie gemacht hat. 😆 Aber nur weil etwas bei mir funktioniert hat, ist es noch lange keine vernünftige Anleitung für andere.

Und was passiert eigentlich nach dem Fasten?

Das finde ich fast genauso wichtig wie das Fasten selbst. Nach mehreren Tagen ohne Nahrung würde ich nicht einfach die Kühlschranktür aufreißen und mir Pizza, Pommes und Schokolade gleichzeitig reinschieben. Der Verdauungstrakt muss sich wieder an Nahrung gewöhnen; nach längerem oder sehr ausgeprägtem Nahrungsverzicht kann ein unkontrollierter Wiedereinstieg sogar medizinisch problematisch sein.

Auch die DGE beschreibt beim Heilfasten ausdrücklich eine Phase zur schrittweisen Normalisierung des Essverhaltens nach dem Fasten. Für mich gehört dieses Fastenbrechen deshalb zur Fastenphase dazu und ist nicht einfach der Moment, in dem endlich wieder alles erlaubt ist.

Und genau dann merke ich übrigens am stärksten, was Fasten mit meinem Geschmack macht. Das erste einfache Essen danach kann unfassbar gut schmecken. Dafür brauche ich keine Torte. Mein Körper denkt schon bei etwas völlig Unspektakulärem:

ESSEN! DU WUNDERSCHÖNES ESSEN! 😆

Mein Fazit: Ich werde weiter fasten – aber ich erzähle euch keine Märchen darüber

Fasten gehört inzwischen seit mehr als zehn Jahren zu meinem Leben. Ich mache es regelmäßig und möchte es für mich auch in den Wechseljahren nicht missen. Meine erste längere Fastenerfahrung fiel mit einer deutlichen Verbesserung meiner Schulterbeschwerden zusammen. Fasten hilft mir außerdem dabei, meine Essgewohnheiten zu hinterfragen, Geschmack wieder bewusster wahrzunehmen und zu merken, wie oft ich eigentlich aus Gewohnheit esse.

Aber je mehr ich mich mit der aktuellen Forschung beschäftige, desto weniger möchte ich euch irgendwelche einfachen Fastensätze erzählen. „Fasten entgiftet.“ „Fasten löscht Entzündungen.“ „Nach drei Tagen beginnt die Autophagie.“ „Zehn Tage Fasten verjüngen den Körper.“ Das klingt alles wunderbar. Die menschliche Biologie ist leider komplizierter.

Besonders spannend finde ich, dass die aktuelle Forschung beim längeren Fasten sogar zeigt, dass bestimmte Entzündungsmarker vorübergehend steigen können. Das widerspricht genau der Erklärung, mit der ich mir meine eigene Schultergeschichte jahrelang erzählt habe. Und wisst ihr was? Damit kann ich leben. Meine Erfahrung bleibt trotzdem meine Erfahrung – ich muss nur nicht die falsche wissenschaftliche Erklärung dazukleben.

Ich werde also weiter fasten. Aber ich mache das mit mehr als zehn Jahren Erfahrung und weil ich weiß, wie es sich bei mir normalerweise anfühlt. Wenn ihr das noch nie gemacht habt, fangt bitte nicht nach diesem Artikel morgen mit zehn Tagen Wasserfasten an. Informiert euch, klärt längeres Fasten medizinisch ab und findet heraus, welche Form überhaupt zu euch passt.

Vielleicht ist es Heilfasten. Vielleicht Scheinfasten. Vielleicht Intervallfasten.

Und vielleicht besteht eure revolutionäre Fastenerkenntnis erst einmal nur darin, an den Weintrauben vorbeizulaufen, ohne drei davon automatisch in den Mund zu stecken.

Glaubt mir: Das ist schwieriger, als es klingt. 😆

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Ist Fasten in den Wechseljahren gesund? Fasten kann Stoffwechsel und Körpergewicht beeinflussen. Für besondere Vorteile von längerem Fasten speziell in den Wechseljahren fehlen bislang ausreichend starke Daten.

Senkt Fasten Entzündungen? Nicht automatisch. Bei Intervallfasten zeigen Studien teilweise Verbesserungen bestimmter Entzündungsmarker. Bei längerem Fasten sind die Ergebnisse uneinheitlich; neuere Untersuchungen fanden während mehrtägigen Fastens sogar einen vorübergehenden Anstieg bestimmter Entzündungsmarker.

Hilft Fasten gegen Gelenkschmerzen? Das lässt sich nicht allgemein sagen. Meine Schulterbeschwerden wurden damals deutlich besser, aber daraus kann ich keine ursächliche Wirkung des Fastens ableiten.

Kann ich beim Fasten Muskeln verlieren? Längeres Fasten bedeutet mehrere Tage ohne ausreichende Proteinzufuhr. Gerade ab 50 sollte der Muskelerhalt deshalb berücksichtigt werden.

Ist Scheinfasten eine Alternative? Möglich. Dabei werden mehrere Tage geringe Mengen speziell zusammengesetzter Nahrung gegessen. Es gibt inzwischen Humanstudien mit interessanten Ergebnissen, aber noch offene Fragen zu langfristigen Effekten.

FAQ /Häufige Fragen zum Fasten in den Wechseljahren

Wie lange sollte man in den Wechseljahren fasten?

Es gibt keine wissenschaftlich festgelegte optimale Fastendauer speziell für Frauen in den Wechseljahren. Kurze Essenspausen, Intervallfasten, Heilfasten und mehrtägiges Wasserfasten sind außerdem sehr unterschiedliche Verfahren. Längeres Fasten sollte individuell beurteilt und medizinisch begleitet werden.

Sind zehn Tage Fasten gesund?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Zehn Tage ohne beziehungsweise mit sehr wenig Nahrung stellen einen erheblichen Eingriff in den Stoffwechsel dar. Die DGE empfiehlt eine fachliche Begleitung von Heilfastenkuren; Wasserfasten ist noch einmal davon zu unterscheiden.

Was ist besser: 16:8 oder mehrere Tage fasten?

Keines ist grundsätzlich „besser“. 16:8 lässt sich für viele Menschen leichter in den Alltag integrieren und ist wesentlich weniger drastisch als mehrtägiges Fasten. Welche Methode sinnvoll ist, hängt von Ziel und gesundheitlicher Situation ab.

Was bedeutet Autophagie beim Fasten?

Autophagie ist ein natürlicher Prozess, bei dem Zellen Bestandteile abbauen und recyceln. Fasten beeinflusst entsprechende Signalwege. Wann und in welchem Ausmaß sich daraus beim Menschen konkrete gesundheitliche Vorteile ergeben, lässt sich aber nicht auf eine einfache Stundenangabe reduzieren.

Ist Fasten gut gegen Bauchfett in den Wechseljahren?

Fasten kann durch eine geringere Energieaufnahme zu Gewichtsverlust beitragen. Es kann aber nicht gezielt bestimmen, dass ausschließlich Bauchfett verschwindet. Für langfristige Veränderungen sind unter anderem Ernährung, Bewegung und Muskelerhalt entscheidend.

Darf ich während des Fastens Kaffee trinken?

Das hängt von der gewählten Fastenmethode ab. Beim klassischen Heilfasten und bei verschiedenen Fastenprotokollen gelten unterschiedliche Regeln. Wer empfindlich auf Koffein reagiert oder Kreislaufprobleme bekommt, sollte zusätzlich vorsichtig sein.

Muss ich beim Fasten Elektrolyte nehmen?

Das lässt sich bei mehrtägigem Fasten nicht sinnvoll pauschal beantworten. Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt können sich verändern; gleichzeitig kann eine unkontrollierte Supplementierung ebenfalls problematisch sein. Genau deshalb gehört die Planung längerer Fastenphasen in fachkundige Hände.

Was ist Scheinfasten?

Beim Scheinfasten wird für einige Tage eine stark kalorienreduzierte, speziell zusammengesetzte Ernährung gegessen, die bestimmte Stoffwechselreaktionen des Fastens nachahmen soll. Es wird häufig auch als Fasting-Mimicking Diet bezeichnet.

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Quellen
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Heilfasten – Einordnung, Durchführung und Hinweise zur fachlichen Begleitung.
  • de Ciutiis et al., Ageing Research Reviews (2025): Scoping Review zu längerem Fasten und Entzündungsmarkern beim Menschen.
  • Studie zu medizinisch begleitetem, durchschnittlich rund zehntägigem Wasserfasten und systemischen Entzündungs-/Gerinnungsprozessen.
  • Systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Meta-Analyse zu Intervallfasten und Entzündungsmarkern bei Erwachsenen.
  • Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse randomisierter Studien zur Fasting-Mimicking Diet und kardiometabolischen Risikofaktoren.
  • Espinoza et al. (2025): randomisierte Pilotstudie zur Fasting-Mimicking Diet, Autophagie-Markern und metabolischer Gesundheit beim Menschen.
Transparenzhinweis

Dieser Artikel verbindet meine persönlichen Erfahrungen mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Fasten. Ich faste seit vielen Jahren regelmäßig und habe auch längere Fastenperioden in Eigenregie durchgeführt. Das ist keine Empfehlung, es genauso zu machen.

Meine damaligen Schulterbeschwerden verbesserten sich zeitlich während einer Phase, in der ich fastete und meine Ernährung veränderte. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Fasten die Ursache der Verbesserung war oder Gelenkerkrankungen behandelt. Die gesundheitlichen Informationen dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.

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